Kreisverband Neunkirchen e.V. Startseite Angebote Termine Über uns Spenden Adressen „Café Vergissmeinnicht“ Betreuungsgruppen für demenzkranke Menschen DRK – Kreisverband Neunkirchen Für Betreuungsgruppen des DRK Kreisverbandes Neunkirchen wurde auf der Grundlage des vorliegenden Konzeptes „Betreuungsgruppen für demenzkranke Menschen“ des DRK Landesverbandes Saarland“ und vorliegender Informationen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. erarbeitet. 1.) Einführung Mit der allgemein höheren Lebenserwartung ist auch das Risiko gestiegen, von Krankheiten betroffen zu werden, die mit chronischen oder fortschreitenden Gedächtnis- und Denkstörungen verbunden sind. Diese Erkrankungen werden unter dem Begriff Demenz zusammengefasst. Die häufigste Ursache für eine Demenz ist die Alzheimer-Krankheit. Diese führt bei den Betroffenen zu einem fortschreitenden Abbau von Nervenzellen und Nervenzellkontakten und damit zu einem langsamen unerbittlichen Zerfall beinahe aller Fähigkeiten. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl anderer Erkrankungen, die zu einer Demenz führen können wie beispielsweise die Parkinson-Krankheit. Die Bedeutung des Krankheitsbildes Demenz wird zunehmend erkannt. Eine Heilung ist bisher nicht möglich und so muss sich das Augenmerk neben der medikamentösen Behandlung vor allem auf eine für den erkrankten Menschen adäquate Betreuung und Versorgung richten. Demenzielle Erkrankungen betreffen aber nicht nur die Erkrankten selbst, sondern ebenso die pflegenden Angehörigen. Sie tragen in den meisten Fällen die Hauptlast, denn die Mehrzahl der demenzkranken Menschen wird im häuslichen Bereich gepflegt. Die betreuenden Angehörigen erleben oftmals große physische und vor allem psychische Belastungen. Der Umgang mit Desorientierung, großer Unruhe, Aggression sowie zunehmender Pflegebedürftigkeit führen häufig zur eigenen Isolation und gehen an die Grenzen der eigenen Belastbarkeit und auch darüber hinaus. Eine große Hemmschwelle erschwert die Inanspruchnahme möglicher Hilfen in Form von Beratung, Schulung oder den Einsatz von Pflegediensten. Pflegende Angehörige brauchen dringend Beratung, Unterstützung und Entlastung. Der Kreisverband des DRK Neunkirchen möchte mit dem Aufbau von Betreuungsgruppen hierzu einen Beitrag leisten. Die Betreuungsgruppen sind hier als ergänzende – nicht konkurrierende Angebote zur Tagespflege anzusehen und bilden damit einen Baustein in der Versorgungsstruktur an Demenz erkrankten Menschen. 2.) Zielgruppe und Gruppengröße  Der Kreisverband des DRK Neunkirchen richtet sich mit seinem ambulanten Angebot von Betreuungsgruppen an Menschen mit Demenzerkrankung mit oder ohne Pflegeeinstufung. Gerade diese Personen können häufig an den bisher bestehenden Angeboten für Senioren wegen großer Unruhe oder Ängsten nicht teilnehmen. In der Aufbauphase der Betreuungsgruppe ist es sinnvoll, wenn die Teilnehmer sich eher im leichten oder mittleren Stadium der Demenzerkrankung befinden und nicht zu stärkeren Verhaltensauffälligkeiten neigen. Die Anzahl der Betreuten kann nicht absolut festgelegt werden. Wünschenswert aufgrund der Erfahrungen anderer Betreuungsgruppen ist eine Gruppenstärke von etwa 10 Teilnehmern (Gäste), damit eine adäquate Betreuung gewährleistet werden kann. Eine Teilnahmemöglichkeit von Angehörigen zumindest in der Anfangsphase sollte gegeben sein. Auch für viele sozial isolierte betreuende Angehörige kann eine Teilnahme an den Betreuungen zu einem gemeinschaftlichen Erlebnis werden. Andererseits kann es im Einzelfall durchaus sinnvoll sein, darauf hinzuwirken, dass Angehörige während der Zeit der Betreuung nicht vor Ort bleiben, um ihnen das Abgeben von Verantwortung an andere und auch Ablösung zu ermöglichen, während sie die Zeit als Freiraum für eigene Bedürfnisse nutzen können. 3.) Ziele der Betreuungsgruppen Als leicht zugängliches Betreuungsangebot (wohnortnah, kostengünstig und stundenweise)  unterstützen die Betreuungsgruppen die pflegenden Angehörigen bei dem oft schwierigen Prozess, für die die Pflege und Betreuung fremde Hilfe anzunehmen. Sie entlasten mit ihrem Angebot die Pflegenden und bieten Kontaktmöglichkeiten. Ein Verbleib des demenzkranken Menschen in der häuslichen Umgebung kann unterstützt werden oder auch der Einstieg zur Inanspruchnahme weitergehender Hilfen sein. Die notwendig mit dem Angebot einer Betreuungsgruppe verbundene Öffentlichkeitsarbeit sensibilisiert die Bevölkerung für die gesellschaftliche Problematik demenzieller Erkrankungen und insbesondere für die Situation pflegender Angehöriger. Die Ziele der Betreuungsgruppen lassen sich im Einzelnen differenzieren nach Zielen für Angehörige und für demenzkranke Menschen:      Ziele für betreuende Angehörige: - Möglichkeiten des Kontaktes und des Austauschs mit Menschen in der gleichen Lage - Zeitliche Freiräume und damit Entlastung von der Pflege und Betreuung - Neue Möglichkeiten des Umgangs und Beschäftigungsmöglichkeiten kennen zu lernen und zu versuchen - Lernen, Verantwortung für den demenzkranken Angehörigen an andere abgeben zu können - Durch die niedrigschwellige Struktur des Angebotes Informationen zu weitergehenden Hilfen kennen zu lernen und leichter annehmen zu können. Ziele für demenzkranke Menschen: - Möglichkeiten des sozialen Kontaktes - Förderung von Ressourcen - Den Fähigkeiten angepasste Möglichkeiten der Beschäftigung - Das Erleben von Gemeinschaft und Wohlbefinden - Gewöhnung an die Betreuung durch andere Menschen und damit      eine mögliche Erleichterung einer späteren Fremdbetreuung. 4.) Inhalte und Ablauf der Betreuung Folgende Inhalte bieten sich für die Betreuungsgruppen an: - Musik, insbesondere Singen alter, der Generation vertraute Lieder - Gymnastische Aktivitäten, auch in Verbindung mit geeigneten Arbeitsmaterialien (z.B. Bälle, Luftballons) und mit Liedern - Tanzaktivitäten, auch als Sitztanz - Biografisches Arbeiten mit Geschichten, Materialien, jahreszeitgemäßen Dingen - Spaziergänge, Bewegung in der Natur - Den Teilnehmern bekannte Gesellschaftsspiele - Gemeinsamer Nachmittagskaffee Prinzipiell ist es erforderlich, auf alle Eventualitäten flexibel reagieren zu können. Je nach den Bedürfnissen der Gruppe muss es möglich sein, vorbereitete Inhalte durch andere zu ersetzen und Anregungen der Gruppe aufzugreifen. Eine genaue Vorbereitung der einzelnen Betreuungsnachmittage ist unumgänglich. Im Sinne einer Vertrautheit der Gruppe und zur besseren Orientierung der Teilnehmer bietet sich ein geregelter, im Wesentlichen gleich bleibender Ablauf an. Die Sitzordnung sollte hierbei so sein, dass BetreuerInnen jeweils neben den TeilnehmerInnen sitzen, um bei Bedarf Hilfestellung leisten zu können. Beispielhaft wird folgender Ablauf dargestellt: - Namentliche Begrüßung aller eintreffenden Teilnehmer - Beginn mit einem Eingangsritual, etwa einem allseits gut bekannten Lied - Es folgt eine ausgedehnte Kaffeerunde, die Gespräche und persönliche Zuwendung der Helferinnen ermöglicht - Anschließend körperliche Aktivität (Spaziergang, Tanz, Gymnastik usw.) - Es folgt eine Trinkpause und evtl. Toilettengang - Aktivierungsangebot: Spiele, biografieorientierte Aktivitäten etc. - Evtl. sich anschließende Liederrunde - Abschlussritual 5.) Häufigkeit und Zeitrahmen Das Angebot eines Betreuungsnachmittages sollte mindestens ein Mal wöchentlich stattfinden. Häufigere Treffen sind am Bedarf und den individuellen Möglichkeiten der jeweiligen BetreuerInnen auszurichten. Die Zeitdauer der Gruppenbetreuung umfasst ca. 2-3 Stunden 6.) Biografiearbeit Eine Grundvoraussetzung der Arbeit mit demenzkranken Menschen ist es, ihre Lebensgeschichte zu kennen. Viele Handlungen, die zunächst nicht zu interpretieren sind, lassen sich über Kenntnisse der individuellen Biografie entschlüsseln. Darüber hinaus ist auch für biografieorientierte Angebote notwendig, die Lebensgeschichte der teilnehmenden demenzkranken Menschen zu kennen. Bevor ein Mitglied der Betreuungsgruppe zum ersten Mal teilnimmt, ist es daher Aufgabe der Betreuungsgruppenleitung, in einem Erstgespräch mit den Angehörigen und dem Teilnehmer gezielte Informationen mittels eines standardisierten Biografiebogens zu erhalten. 7.) Strukturelle Rahmenbedingungen Personelle Ausstattung Leitung Die Leitung der Betreuungsgruppe übernimmt eine (Pflege-) Fachkraft, die Erfahrung in der Betreuung von demenzkranken, behinderten Menschen hat. Sie ist verantwortlich für die Vorbereitung und Durchführung der Betreuungsnachmittage. Sie ist Ansprechpartner für die freiwilligen Mitarbeiter und die Angehörigen.  Die Aufgaben sind folgende: - Leitung der Gruppe - Planung und Koordination des Einsatzes der HelferInnen - Vorbereitung und flexibles Durchführen der Gruppenbetreuung bzw. Beschäftigungsangeboten - Strukturierung der Betreuung durch Einhalten eines zeitlichen Ablaufes - Sicherstellung der Kontinuität - Fachliche Anleitung, Begleitung und Unterstützung der ehrenamtlichen HelferInnen - Begleitende und beratende Angebote für den demenzerkrankten Menschen und seine Angehörigen - Bearbeitung von Anfragen, Durchführen von Erstkontakten und Erhebung der für die Betreuung notwendigen Informationen. - Dokumentation Ehrenamtliche Mitarbeiter Die weiteren BetreuerInnen in der Gruppe sind ehrenamtliche MitarbeiterInnen. Der Betreuungsschlüssel, also das Verhältnis zwischen anwesenden BetreuerInnen und demenzkranken Menschen sollte nicht unter 1,5 liegen (d.h. zwei BetreuerInnen für drei Teilnehmer/Gäste). Von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. wird aufgrund der vorhandenen Erfahrungswerte ein Betreuungsschlüssel von 1:1 empfohlen. Die Aufgaben sind im Einzelnen: - aufmerksame wertschätzende Begleitung der demenzkranken Menschen - Mitarbeit bei der Durchführung des Gruppenbetreuung - Unauffällige Hilfen für die erkrankten Menschen, beispielsweise beim Kaffee oder beim Toilettengang - Begleitung von TeilnehmerInnen, die sich nicht an dem gemeinsamen Angebot beteiligen möchten und sich lieber anderen Tätigkeiten widmen. - Einbringen ihrer „lokalen“ Erfahrungen, insbesondere über Geschichten und Begebenheiten des Ortes Durch die personalintensive Betreuung ist es möglich, flexibel auf die individuellen Bedürfnisse der Teilnehmer einzugehen. Mögliche Überforderungssituationen auf Seiten der Helfer können somit aufgefangen werden. Die Mitarbeit ehrenamtlicher HelferInnen bedarf intensiver Schulung vor dem Einsatz in einer Betreuungsgruppe sowie  fortlaufende Begleitung und Fortbildung. Schulung und Fortbildung Die Betreuung demenzkranker Menschen ist eine nicht zu unterschätzende Aufgabe im Bereich der Arbeit mit älteren Menschen. Sie erfordert Kenntnisse über die Erkrankung und ihre Auswirkungen insbesondere in den Verhaltensweisen der an Demenz erkrankten Menschen. Gleichzeitig sind Kenntnisse über die Situation der häuslichen Pflege und Betreuung aber auch über die Belastungen, denen betreuende Angehörige ausgesetzt sind, erforderlich. Spezifische Möglichkeiten des Umgangs und der Kommunikation vor allem bei Verhaltensauffälligkeiten müssen ebenso wie adäquate Beschäftigungsangebote bekannt sein.  Zentrale Bedeutung für einen sich positiven auswirkenden Umgang mit demenzkranken Menschen hat auch die Haltung der BetreuerInnen gegenüber den erkrankten Menschen, die geprägt sein soll von Respekt, Wertschätzung und Herzlichkeit. Wohl immer wieder auftretende schwierige und belastende Situationen im Rahmen der Betreuung erfordern eine regelmäßige Begleitung und Fortbildung der Mitarbeiter im Sinne von Reflexion / Supervision auch mit fachlichen Inhalten. Ziel ist es, die Qualität des Angebotes ständig weiter zu entwickeln. Nach oben